Historie zum Wettpflügen von Theo Waltz

Von Theo Waltz

Seit Jahrhunderten ist gutes Pflügen die Grundlage des erfolgreichen Ackerbaus. Es steht am Anfang aller Bodenbearbeitungsmaßnahmen und erfordert ein hohes Maß an biologisch-technischem Verständnis., Handfertigkeit und Geschick. In Teilbereichen der Bodenbearbeitung mag es in den vergangenen Jahrzehnten verschiedentlich grundlegende Änderungen gegeben haben, zum Beispiel die pfluglose Grundbodenbearbeitung. Dennoch hat richtiges Pflügen seine besondere Bedeutung gleichbleibend erhalten.

Schon als der Mensch vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer wurde, mußte er seinen Boden vor der Aussaat bearbeiten, erste Hakenpflüge mit Muskelkraft wurden eingesetzt. Jahrhundertelang wurden dann Zugtiere wie Ochsen, Kühe und Pferde vor die Pflüge gespannt. Die Pflüge aus Holz mit einem Eisenschar haben sich in dieser Zeit kaum verändert. Erst mit der Erfindung der Dampfmaschine und mit dem von dem Engländer John Fowler um 1860 entwickelten System wurde die Ablösung der tierischen Zugkraft eingeleitet.

Ende des vorigen Jahrhunderts wurden die Pflüge - außer den von den Dorfhandwerkern hergestellten Holzpflügen – in den Fabriken komplett aus Eisen gefertigt. Viele heute noch bestehende Landmaschinenhersteller begannen ihr Geschäft mit dem Bau von Pflügen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden zunehmend Ackerschlepper mit Verbrennungsmotoren entwickelt, die nicht so schwer und teuer waren, so daß sie auf den Feldern eingesetzt werden konnten. Nach einer Phase der speziellen Motorpflüge wurden dann ab 1930 in Deutschland universell einsetzbare luftbereifte Ackerschlepper hergestellt. Hierzu wurden Anhängepflüge, der Größe der Schlepper angepaßt, eingesetzt.

1933 erfand der Engländer Harry Ferguson die Dreipunkt-Regelhydraulik. Die Pflüge wurden an den Schlepper angebaut und konnten am Furchenende hochgehoben werden. Durch ein System wurden die beim Pflügen entstehenden Zuwiderstandskräfte als Druck auf die Hinterachse des Schleppers übertragen und somit die Zugkraft erhöht und das Durchdrehen der Räder weitgehend vermieden. Dieses System ist auch heute noch mit Ergänzungen in allen Ackerschleppern eingebaut.

Wegen der geschilderten wichtigen Bedeutung des Pflügens wurden schon Ende des vorigen Jahrhundert Wettpflugveranstaltungen durchgeführt, damals logischerweise nur mit Pferden. In den angelsächsischen Ländern erlebte das Wettpflügen mit Traktoren nach dem Zweiten Weltkrieg einen regelrechten Boom, der 1952 in der Gründung der Weltpflügerorganisation mündete.

In Deutschland wird das Wettpflügen über Kreis- und Landes- bis hin zum Bundesentscheid durchgeführt. Die Sieger im Bundesentscheid nehmen dann an der jährlichen Weltmeisterschaft, kurz Weltpflügen, teil. Das Weltpflügen fand bereits dreimal in Deutschland statt . Viele unserer Mitglieder verfügen neben ihren Oldtimern auch über alte Pflüge. Was lag also näher, als ein Oldtimerwettpflügen durchzuführen. Beim Wettpflügen wird in zwei Disziplinen gearbeitet. 1. Grasland- und 2. Stoppellandpflügen. Wir beschränken uns in unserem Wettbewerb auf letzteres. Ziel des Pflügens ist: 1. Eine Wendung des Bodens um 135°, um vorhandenen Bewuchs am Weiterwachsen zu hindern, 2. Mischung, Lockerung und Krümelung des Bodens, 3. Die Arbeitstiefe und –breite sollen gleichmäßig eingehalten werden und 4. Die Furchen wollen gerade sein. Diese Kriterien werden von erfahrenen Preisrichtern nach einem von der Weltpflügerorganisation vorgegebenen Punktsystem bewertet.

In den letzten beiden Jahren haben unsere Oldtimerpflüger mit ihren alten Traktoren und Pflügen bemerkenswerte Leistungen, die sich sehen lassen konnten, abgeliefert.

Hinweis: 

Der Verfasser des Artikels, Theo Waltz, ist Landwirt, Vorstandsmitglied der IGHL und organisiert alljährlich das Wettpflügen mit historischem Gerät auf dem Baiersröderhof.