Interessengemeinschaft
Historische
Landmaschinen Wetterau/Main-Kinzig
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Der Lanz
Bulldog
1859 begann
Heinrich Lanz (1838-1905) einen Handel mit vorwiegend englischen landwirtschaftlichen
Maschinen. Bereits 1867 begann er
mit der Eigenproduktion zunächst kleinerer Landmaschinen wie Göpel, um dann 1879 den Einstieg in den Dampflokomobilen-
und Dreschmaschinenbau zu wagen. Zum 50jährigen Firmenjubiläum hatte Lanz 1909 als größter Mannheimer
Industriebetrieb 3655 Beschäftigte. Auch die Produktionszahlen für den
Weltmarkt waren beeindruckend: 61 000 Landmaschinen, darunter 24 000 Lokomobilen
und 15 800 Dreschmaschinen.
1912 baute
Lanz bereits einen motorisierten Selbstfahrer, den legendären Landbaumotor, mit
einem 4-Zyl.-Benzimotor, der mit einer Leistung von 80 PS 4800 kg wog! Im Ersten
Weltkrieg fand er auch als Heereszugmaschine in einer Version als Raupenschlepper
Verwendung.
1916 trat
Fritz Huber in die Firma ein und entwickelte den seit der Jahrhundertwende
bekannten Glühkopfmotor, eine dritte Motorenart neben Vergaser (Otto-) und Dieselmotor.
1921 stand
der mit einem großen Schwungrad als Riemenscheibe versehene erste serienreife
einzylindrige Schwerölmotor Selbstfahrer-Bulldog zur
Verfügung. Außerdem war der „Gespannbulldog“ ohne Fahrantrieb
mit einer Zugdeichsel für ein Pferdegespann und der „Ortbulldog
für stationären Betrieb lieferbar.
1923 kam
bereits ein HP-Ackerbulldog als Knicklenker auf den
Markt, der seiner Zeit um etwa drei Jahrzehnte voraus war. Zur gleichen Zeit
produzierte Lanz den „Felddank“ mit einem 2-Zyl.-Glühkopfmotor, zwei gefederten
Achsen und 38 PS. Sein Gewicht: 4,2 Tonnen! Zwischen 1923 und 1925 wurden 800
Einheiten produziert
1925, nach
Umgründung in eine Aktiengesellschaft, wurde der Felddank bereits aus dem
Produktionsprogramm genommen und der Ackerbulldog mit
Hinterachsantrieb durch große Triebräder versehen.
1929 kam die
Thermosyphonkühlung mit Lamellenkühler. Die Bulldogs
erhielten erstmals auch einen Rückwärtsgang.
Während der Weltwirtschaftskrise
brachte Lanz 1930/31 die HN-Modelllreihe mit einem 20-PS-Traktor und einem
6-Gang-Getriebe auf den Markt. Dieser HN 1 besaß bereits eine außenliegende, von der Fahrgeschwindigkeit unabhängige
Zapfwelle. Ein Bosch-Öler sorgte für eine zentrale
Schmierung.
1934 wurden
bei Lanz erstmals Ackerluftreifen eingeführt. Durch die neuen Produktionsreihen
kam es in den Folgejahren zu einem Aufschwung, und 1935 wurde die Belegschaft um 1300 auf 5548 Mitarbeiter aufgestockt.
1936 lief
der erste Eilbulldog vom Band und der 65 000ste
Bulldog verließ das Mannheimer Werk. Der 1939
erstmals auf der Reichsnährstandsschau vorgestellte 15-PS-Allzweck-Bauernbulldog
war mit 2750 Reichsmark der seinerzeit billigste in Deutschland gebaute Bulldog
und bereits mit elektrischem Anlasser versehen. Zwar konnte noch 1942 der 100 000ste Bulldog
ausgeliefert werden, doch dann wirkten sich die kriegsbedingten Produktionshemmnisse
voll aus. Ab 1943 wurde dann auf
Holzgas umgerüstet.
1945 waren
90 % der Werksanlagen zerstört. Nach dem Krieg mußte zunächst für die 40 000
noch in Deutschland laufenden Bulldogs für Ersatzteile gesorgt werden. Etwa ab 1948 konnte die Schlepperproduktion
wieder aufgenommen werden. Durch die hartnäckig verfolgte Firmenphilosophie der
„Einzylindrigkeit“ und den starken Konkurrenzdruck durch die anderen Hersteller
mit ihren wendigeren und auch „bequemeren“ Schleppern, kam es in den Folgejahren
zwar noch einmal zu einer beachtlichen Produktionserhöhung, allein der
Kostendruck war so groß, daß das Unternehmen 1956 am Ende war. John Deere trat als
„Retter“ auf den Plan.
Insgesamt 250 000 Bulldogs verließen
bis dahin das Mannheimer Werk.
Zusammengestellt von
Georg H. Brodt (Aug. 2003)
Quelle: Dr. Klaus
Herrmann „Traktoren in Deutschland l907 bis heute“, DLG-Verlag Ffm.