Interessengemeinschaft
Historische
Landmaschinen Wetterau/Main-Kinzig
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Der Glühkopfmotor
Von Dr. Klaus Herrmann
Beim
2-Takt-Verfahren ohne gesteuerte Ventile wird die Frischluft im Kompressionshub
von der Kolbenrückseite in den Kurbelkasten des Motors eingesaugt und, darin
eingeschlossen, beim Arbeitshub vorkomprimiert
Kurz
vor dem Totpunkt des Kompressionshubs vom Kolben wird
von einer Einspritzpumpe der Kraftstoffstrahl durch eine Düse auf den ständig
glühenden Glühkopf in der Vorkammer gespritzt, so daß er in der komprimierten
Verbrennungsluft explosionsartig verbrennt und den Motor im Arbeitshub
antreibt.
Der
Glühkopf muß stets eine Temperatur von 360 bis 390o haben. Zum
Starten des Glühkopfmotors sah sein Konstrukteur Fritz Huber eine einfache
Lötlampe mit offener Flamme zum Aufheizen des Glühkopfs vor. Diese Prozedur
nahm zwar etliche Minuten Zeit in Anspruch, was heutzutage gerne, einer
Zeremonie gleich, vorgeführt wird. Das Anheizen der Bulldog-Motoren hatte
jedoch den großen und gegenüber anderen Motoren entscheidenden Vorteil, daß sie
auch bei größter Kälte zuverlässig ansprangen.
Der Fahrer
zog zum Starten von Hand – elektrischer Anlasser und Batterien gehörten anfangs
noch nicht zur Ausstattung von Schleppern – das Lenkrad mit seiner Achse aus
der Fahrzeuglenkung heraus und steckte es in das stillstehende Schwungrad des
quer angeordneten liegenden Bulldo-Motors ein, um ihn
durch Hin-und-her-Drehen des Lenkrades bis kurz vor den Totpunkt
so weit aufzuschaukeln, daß der Kraftstoff eingespritzt wurde und der Motor
ansprang.
Das
Herausziehen des mit dem Schwungrad rotierenden Lenkrades aber war gefährlich
und erforderte einiges Geschick. Das hat manchem Bulldog-Fahrer Zähne oder
sogar einen Unterkieferbruch gekostet.
Das
Hantieren mit der offenen Flamme der Lötlampe in einer mit Stroh oder Heu gefüllten
Scheune und der gelegentliche Funkenflug aus dem Auspuff-„Schornstein“ war so
feuergefährlich, daß der Betrieb innerhalb von Scheunen verboten wurde.
Dennoch,
diese Nachteile wurden durch andere Vorzüge wettgemacht, insbesondere durch die
erheblichen Einsparungen an Kraftstoffkosten bei der Verwendung billigen
„Gasöls“, wie es damals hieß, auch der zuverlässige Start, die einfache und
robuste Bauart mit nur einem Zylinder ohne Ventile und die leichte
Instandhaltung des Motors.
Fritz
Huber prägte damals den Satz: „Der Bulldog kann nicht einzylindrig genug sein“,
ein Satz, der zwei Jahrzehnte lang zweifellos richtig war, nach drei
Jahrzehnten der Firma Heinrich Lanz Mannheim aber zum Verhängnis wurde.
Aus:
Dr. Klaus Herrmann „Traktoren in Deutschland 1907 bis heute“, DLG-Verlag, Ffm.
Der Verfasser
ist Leiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums in Stuttgart-Hohenheim