Interessengemeinschaft

Historische Landmaschinen

Wetterau/Main-Kinzig e.V.

 

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Hanomag GmbH, Hannover

 

Bevor die „Hannoversche Maschinenbaugesellschaft vorm. Georg Egestorff1912 die Herstellung von Landmaschinen aufnahm, hatte sie sich bereits einen ausgezeichneten Ruf als Lokomotivbauanstalt und Eisengießerei, als Dampfmaschinen-, Kessel- und Werkzeugmaschinenbauer erworben. Über eine Tochterfirma, die „Deutsche Kraftpflug-Gesellschaft mbH“ in Berlin, begann man nun, das Produktionsprogramm um die legendären, von 80-PS-4-Zyl.-Ottomotoren angetriebenen Motortragpflüge zu erweitern. Unter dem Markenzeichen „WD“ wurden bis Mitte der zwanziger Jahre über 1000 Stück verkauft.

1919 folgte dann der erste europäische Raupenschlepper mit einem 20-PS-4-Zyl.-Motor. Dieser konnte wahlweise mit Benzin, Petroleum oder Gemisch betrieben werden, besaß Umlaufschmierung, Bosch-Magnetzündung und sogar schon einen Luftfilter. 1921 folgte der Typ Z 50, ein 50 PS starker Raupenschlepper.

Bereits 1925 präsentierte Hanomag den R 26, einen Radschlepper in rahmenloser Blockbauweise. Ähnlich wie die Firma Heinrich Lanz mit seiner Leistungsfahrt von Mannheim nach Berlin (1924) sorgte die „Hanomag-Karawane“ in einer mehrwöchigen Fahrt durch Deutschland für Publizität, die dem 1927 auf den Markt gebrachten WD-Radschlepper R 28 gleichfalls zugute kam.

1931 schrieb Hanomag mit einem als äußerst robust gerühmten 4-Takt-Dieselmotor noch einmal Landtechnik- und Motorengeschichte. Im Strudel der Weltwirtschaftskrise mußte das Unternehmen allerdings die Zahlungen einstellen und konnte nur über einen Vergleich wieder flottgemacht werden, ehe 1936 die Vereinigten Stahlwerke AG das Unternehmen erwarben. In der Folge wurden nun neue, ständig verbesserte Typen produziert, wie ein mit einem 50-PS-Viertakt-Dieselmotor ausgerüsteter Schlepper.

1934 brachte die Fa. Continental Gummiwerke in Zusammenarbeit mit Hanomag und Lanz die ersten luftbereiften Schlepper heraus. Eine Sensation, denn nun konnten die Schlepper mit den Luftreifen ohne weiteres auch auf Feldwegen und Straßen fahren.

Stand bis 1936/37 die Entwicklung von Großschleppern wie etwa dem R 38 im Vordergrund, so drängte die Reichsregierung die Traktorenhersteller nun, auch für bäuerliche Familienbetriebe eine geeignete Zugmaschine zu konzipieren. Hanomag fertigte daraufhin 1937 den Diesel-Bauernschlepper RL 20. Hinzu kamen ab 1939 verschiedene Typen der Reihe R 40, die wegen ihrer robusten 40 PS leistenden Dieselmotoren im Ruf standen, „Lokomotiven auf dem Acker“ zu sein, insbesondere beim Ziehen und Antreiben der ersten Claas-Mähdrescher.

Nach dem Zweiten Weltkrieg - die Produktionsanlagen waren weitgehend zerstört - gelang es schon im August 1945 wieder die ersten Traktoren zu Reichsmarkpreisen anzubieten. Dem Vorkriegsmodell R 40 und dem 1949 entwickelten R 25 folgten die Baureihen R 16 und R 45. Hinzu kamen die Raupenschlepper K 55 und K 90, die mehr für die Bauwirtschaft ausgelegt waren. Hanomag war zu dieser Zeit der erfolgreichste Anbieter auf dem deutschen Traktorenmarkt und lag auch im Export ganz vorne.

1953 folgte der Tragschlepper R 12, der sich allerdings – ähnliche Erfahrungen mußten auch andere Traktorenhersteller machen – nicht bewährte. Durch Fehlplanungen u. a. mit einem 2-Takt-Dieselmotor beim R 24, kam es in der Folge zu empfindlichen Absatzeinbußen. Daraufhin kehrte das Unternehmen 1957 wieder zu den bewährten Viertakt-Motoren zurück. Es folgten zu Anfang der 60er Jahre die Typenreihen Granit 500, Brillant 600 und Robust 800 und 900, letzterer mit einem 70-PS-Dieselmotor D 941 R.

1964 lief bei Hanomag der insgesamt 250 000ste Traktor vom Band. Aber der Markt räumte dem Unternehmen nur noch bescheidene Chancen ein. Im Zuge der finanziellen Krise bei der Konzernmutter Rheinstahl begann 1969 der Ausverkauf. Massey-Ferguson übernahm das Traktorenwerk in Argentinien und Daimler-Benz die Lastwagenfertigung.

1970 stellte man dann in Hannover die Traktorenproduktion ganz ein, die dem Werk über Jahrzehnte hinweg zu wirtschaftlichem Wohlergehen verholfen hatte. KHD erklärte sich wenigstens bereit, bis 1977 die Ersatzteilproduktion sicherzustellen.

 

Zusammengestellt von Georg H. Brodt (Aug. 2003)

Quelle: Dr. Klaus Herrmann „Traktoren in Deutschland von 1907 bis heute, DLG-Verlag Ffm.